Was hat unsere Kleidung mit unserer Nahrungskette zu tun?

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Was hat unsere Kleidung mit unserer Nahrungskette zu tun?

Was hat unsere Kleidung mit unserer Nahrungskette zu tun?

Auf einen Blick:

Die Kleidung, die wir täglich tragen und waschen, trägt auch zur Umweltverschmutzung bei. Insbesondere Mikrofasern stellen eine ernsthafte Bedrohung für das maritime Leben dar.

Synthetische Mikrofasern machen weltweit 85% der Küstenabfälle aus und werden sowohl in Speisesalz aus dem Meer als auch in Fischen, die für den menschlichen Verzehr verkauft wurden, gefunden.

Diese mikroskopischen Plastikfasern saugen Toxine auf wie ein Schwamm, PCBs, Pestizide und Öl in immer größeren Mengen, während Sie die Nahrungskette immer weiter hinaufwandern.

Täglich trägt jeder von uns zu einer fortschreitenden Zerstörung der Umwelt durch die Teilnahme an der modernen Gesellschaft und deren Gewohnheiten bei.

Wir Menschen entsorgen z. B. Medikamente, indem wir sie die Toilette hinunterspülen, auch die Reinigungs- und Körperpflegeprodukte, die wir täglich verwenden, und die Kleidung, die wir täglich tragen und waschen, tragen allesamt zur Umweltverschmutzung bei.

In der Tat sind die Umweltauswirkungen unserer am häufigsten präferierten Bekleidungswahlen schockierend.

Wissenschaftliche Studien, die die toxische Effekte verschiedener Gewebebehandlungen (wie z. B. mit Farbstoffen, Flammschutzmitteln und Fleckenschutzmitteln, Waschmitteln) und die Gewebefasern selbst untersuchten, erfordern unsere größte Aufmerksamkeit.

Der Nachteil von Vliesstoffen

Insbesondere die Mikrofasern1, so hat sich gezeigt, stellen eine ernsthafte Bedrohung für das maritime Leben dar. Wie von NPR angemerkt2:

“Die Innovation durch synthetischem Fleece (Vlies) hat es vielen Outdoor-Enthusiasten ermöglicht, mit Wärme und Komfort zu wandern, sich auch bei Kälte im Freien aufzuhalten.

Was leider viele Menschen nicht wissen, durch das Waschen dieser Kleidungsstücke gelangen tausende von mikroskopisch kleinen Kunststofffasern oder Mikrofasern in die Umwelt – angefangen von Ihren favorisierten Wanderrouten bis hin zu landwirtschaftlichen Flächen und Gewässern mit Fischen, so gelangen diese Mikrofasern wieder auf unseren Tellern“.

Das hat die Wissenschaftler zu der Frage veranlasst: “Sind das wirklich die synthetischen Mikrofasern unserer Pullover und Jacken?“

Chelsea Rochman, Ph.D., eine Ökologin und evolutionäre Biologin an der Universität von Toronto, St. George, erklärt hierzu:

“Mikrofasern gehören zu den am häufigsten gefundenen Plastikablagerungen in Tieren und Umweltproben“.

Mikrofasern sind ein sehr wichtiger Wasserschadstoff geworden

Synthetische Mikrofasern machen weltweit 85% des Küstenschuttes aus3 und werden in höheren Konzentrationen im Strand-Sediment in der Nähe von Abwasserbehandlungsanlagen gefunden.

Das Rozalia-Projekt – eine groß angelegte Untersuchung von Wasserproben aus dem Hudson River –  kam im Ergebnis dazu, dass die meisten der entnommenen Proben Mikrofasern enthielten.

Die Fasern wurden auch in Tafelsalz6 und Fisch, gefangen für den menschlichen Verzehr, gefunden7.

Eine andere Studie aus dem Jahr 1975 der Universität von Kalifornien, Santa Barbara (UCSB), verknüpfte direkt Mikrokugelkunststoffe und künstliche Mikrofasern mit der gefundenen Verschmutzung in Fischen8, und Abigail Barrows – Wissenschaftlerin der Global Microplastics Initiative – untersuchte über 2.000 Meeres- und Süßwasserfische, 90% dieser Tiere wiesen Mikrofaserreste in ihren Körpern auf.

Nahezu identische Ergebnisse wurde von Amy Lusher, einer Wissenschaftlerin aus Großbritannien, die im Jahr 2014 eine Studie über die Verschmutzung durch Kunststoffe im Nordostatlantik veröffentlichte, berichtet.

Es scheint keinen Platz mehr auf der Erde zu geben, der unberührt von einer Verschmutzung durch Kunststoffe ist.

Abby Barrows, eine Mikroplastik-Wissenschaftlerin, erklärte gegenüber der Washington Post10:

“In diesem Bereich der Forschung zu arbeiten kann wirklich deprimierend sein. Ich öffne eine Schachtel in der sich Wasser von einem schönen Ort in der Karibik befinden soll und finde nur Plastik.

Das Gleiche gilt für die Antarktis, und ich denke noch beim Öffnen: Hier wird es sicherlich nur Wasser geben und finde auch hier eine alarmierend große Anzahl von Plastikteilen“.

Mikrofasern gelten auch als potentielle Lebensmittelverschmutzer

Mikrofasern, häufig gefunden als Mikroperlen (gefunden in Gesichts-Peelings und ähnlichen Utensilien), sind besonders schädlich, da die Fasern leicht von Fischen und anderen Wildtieren aufgenommen werden, sich im Darm ansammeln und sich dann in den Körpern anderer Tiere, die weiter oben auf der Nahrungsmittelkette stehen, wieder finden.

In einer  Studie wurde bei Anwesenheit dieser Fasern herausgefunden, dass sich hierdurch die Gesamtnahrungsmittelzufuhr von Krabben, Würmern und Langustinen (z. B. Norwegischem Hummer) reduziert12, 13, wodurch deren Wachstums- und Überlebensraten bedroht sind.

Diese mikroskopischen Plastikfasern nehmen Toxine wie einen Schwamm auf, es finden sich polychlorierte Bisphenyle (PCB), Pestizide und Öl in immer größeren Mengen, je höher die Nahrungsmittelkette ansteigt.

Faktoren, die die Mikrofaserfreisetzung verschlimmern

Durchgeführte Tests zeigten, dass jedes Waschen einer synthetischen Fleecejacke durchschnittlich 1,7 Gramm Mikrofasern freigibt und in etwa 2,7 Gramm freisetzt14, 15, 16.

Zum Vergleich: Eine Büroklammer wiegt etwa 1,5 Gramm.

Je älter die Jacke, desto mehr Mikrofasern werden freigegeben17, und bei weniger qualitativ hochwertigem Markenvlies wurde auch herausgefunden, dass dessen Lebensdauer um 170% niedriger liegt als die Lebensdauer eines höherwertigen Vlieses.

Separate Studien18, 19, veröffentlicht im Marine Pollution Bulletin, kamen zu dem Ergebnis, dass die Art von Stoff auch einen Unterschied in der Rate der Mikrofaser-Schuppen mit sich bringt.

Bei einem Vergleich von Acryl-, Polyester- und einer Polyester-Baumwoll-Mischung war Acryl der schlimmste Schädling, die Acryl-Fasern verflüchtigten sich bis zu vier Mal rascher als z. B. die Fasern einer Polyester-Baumwoll-Mischung.

Verschiedene Arten von Waschmaschinen können auch verschiedene Mengen an Fasern (und Chemikalien) aus Ihrer Kleidung freisetzen.

Entsprechende Tests zeigten, dass Top-Lademaschinen um die 530% mehr Mikrofasern freisetzen als Frontlader-Modelle20.

Andere Faktoren, die diese Menge beeinflussen können, sind z. B. die Wassertemperatur, die Länge und Rührkraft des Waschzyklus und die Art des verwendeten Waschmittels.

Bis zu 40% dieser Mikrofasern verlassen die Kläranlage und enden in den umliegenden Seen, Flüssen und Ozeanen.

Wie von Fusion berichtet21:

“Um die Makro-Skala dieses Mikroproblems zu verstehen, haben die Autoren berechnet, dass eine Stadt mit rund 100.000 Menschen 20 bis 240 Pfund Mikrofasern täglich in die lokale Wasserentsorgung schickt, das sind durchschnittlich etwa die Menge von 150.000 Plastiktüten“.

Mögliche Lösungen

Um diese Probleme zu lösen, fordern die Wissenschaftler die betroffenen Unternehmen auf, die Effektivität des Hinzufügens von entsprechenden Filtern zu untersuchen, um die Mikrofasern aufzufangen22.

Die Firma Wexco ist derzeit der exklusive Hersteller des Filtrol 160-Filters23, der produziert wurde, um nicht biologisch abbaubare Fasern vor dem Abfluss aus Ihrer Waschmaschine zu erfassen und festzuhalten, so dass diese nicht in unsere Abwässer gelangen können.

Das Problem hierbei ist, was wird aus den Mikrofasern, wenn sie denn dann in Deponien entsorgt werden müssen (das gleiche Problem entsteht, in den Abwasserbehandlungsanlagen müssen Filter installiert werden, um die winzigen Fasern außerhalb der Wasserwege zu halten).

Eine weitere neuartige potentielle Lösung – eine wasserlose Waschmaschine – wurde von Tersus Solutions in Colorado entwickelt. Diese Waschmaschine wäscht Kleidung mit unter Druck stehendem Kohlendioxid anstelle von Wasser24.

Eine noch einfachere Strategie wäre es, Ihre Vlies- und Mikrofaser-Kleidung weniger zu waschen. Patagonien ist auch auf der Suche nach milderen Lösungen, einschließlich einem Produkt-Redesign, um das Ausscheiden von Mikrofasern zu verhindern.

Polyester 

Über die Mikrofaserverunreinigung hinaus haben Polyester und andere künstliche Materialien noch viele andere Nachteile für unsere Umwelt.

Wie bereits von Umweltgesundheitsinitiativen festgestellt25:

“Polyester, die am häufigsten verwendete Faser, wird aus Erdöl hergestellt. Mit dem Anstieg der Produktion in der Modebranche hat sich die Nachfrage nach künstlichen Fasern, insbesondere Polyester, in den letzten 15 Jahren nahezu verdoppelt, hierfür gibt es Zahlen aus der Textilbranche.

Die Herstellung von Polyester und anderen synthetischen Stoffen ist ein energieintensives Verfahren, das große Mengen an Rohöl erfordert und Emissionen freisetzt, einschließlich flüchtiger organischer Verbindungen, schädlichen Partikeln und Gasen wie z. B. Chlorwasserstoff, die alle Atemwegserkrankungen verursachen oder verschlimmern können.

Flüchtige Monomere, Lösungsmittel und andere Nebenprodukte der Polyesterherstellung werden im Abwasser aus Polyesterherstellungsanlagen emittiert.

Die EPA [Environmental Protection Agency], betrachtet viele Textilherstellungsanlagen als gefährliche Abfallerzeuger“. 

Sogar scheinbar unschädliche Kleidungsstücke wie Jeans werden oft mit einer großen Anzahl von toxischen Chemikalien, einschließlich Perfluorchemikalien, Phthalaten und Azofarbstoffen produziert.

Es sind nicht nur künstliche Materialien, die ein Problem darstellen:

  • Auch konventionell gewachsene, gentechnisch veränderte (GE)-Baumwolle ist aufgrund der flächenhaften Verwendung von gefährlichen Herbiziden und Insektiziden der Baumwollindustrie, einschließlich einiger der gefährlichsten Insektizide auf dem Markt, sehr problematisch.
  • Das ist ein Grund, warum ich Sie dazu ermutige, Bio-Baumwolle, Bio-Hanf-und/oder Wollprodukte zu wählen, die idealerweise mit ungiftigen, natürlichen Farbstoffen gefärbt sind.
  • Organische Stoffe werden nicht genetisch manipuliert und unterliegen nicht diesem Angriff toxischer Expositionen.
  • Auch wenn dies nicht alle Umweltprobleme im Zusammenhang mit der Bekleidungsindustrie lösen wird, ist es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung.

Die Veränderungen beginnen bei Ihnen zuhause

Das Design des Ökologen Mark Browne, Ph. D.26, 27, entwickelt im Jahre 2013, zielt darauf ab, den Bekleidungsfirmen zu zeigen, “wie der Textilverschleiß zu Faserverunreinigungen führt und zeigt Möglichkeiten auf, ihre Emissionen zu kontrollieren“.

Laut der entsprechenden Website entwickelte das Programm, das von der Environmental Protection Agency (EPA) unterstützt wird, ein “Trade-off-Analysesystem”,das das kostengünstigste Material mit dem geringsten Aufwand rigoros und wissenschaftlich auswählt, Stoffe, die generell weniger Fasern absondern, vor allen Dingen weniger toxische Fasern“.

Während einige Unternehmen aktiv nach Wegen suchen, um Kleidung zu produzieren, die umweltfreundlicher ist, kann bereits jetzt jeder einzelne von uns zur Lösung beitragen, indem er insgesamt weniger kauft und immer mehr bewusste Verbraucher sind auf diesem Wege sehr wichtig.

Wie anderweitig  beschrieben, sollte der gesamte Lebenszyklus eines Kleidungsstückes idealerweise vor dem Kauf berücksichtigt werden, da die meisten Ihrer abgelegten Kleider tatsächlich in Deponien enden oder in Drittländern weiterverkauft werden, wo die dort ansässigen Bekleidungsindustrien bereits schon vorher Umwelt-Probleme haben.

Die westliche Bevölkerung, zu der wir zählen, hat die Tendenz zu glauben, dass wir großzügig sind, wenn wir unsere abgetragenen Kleidungstücke spenden für Menschen, die sich sonst keine Kleidung leisten könnten.

Die Realität aber ist, die Second-Hand-Industrie kämpft mit einer überwältigenden Menge an Kleidung. Sie können nicht einmal alles aufbewahren – weshalb Wohltätigkeitsorganisationen nur einen Monat lang diese Sachspenden in ihren Geschäften aufbewahren, bevor sie für die „Massenliquidation“ freigegeben wird.

Es gibt einfach keinen wirklichen Mangel an Second-Hand-Kleidung, so dass Sie nicht wirklich irgendwelche Gefälligkeiten machen, wenn Sie regelmäßig Kleidung spenden.

Wenn Sie wirklich wollen, dass sich hier etwas zum Besseren wendet, dann denken Sie darüber nach, bevor Sie etwas Neues kaufen und drosseln Sie Ihren Einkauf.

Die meisten Amerikaner zum Beispiel haben genug Kleidung, um ganze Dörfer in einigen anderen Ländern zu versorgen.

Es gibt keinerlei Zweifel daran, dass viele Menschen gut daran tun würden, einige der lebensbejahenden Vorschläge der neuen Minimalismus-Bewegung anzunehmen.

Der Direktor für Umweltstrategie in Patagonien erklärte gegenüber der CBS im Jahr 201528:

Die Menschen müssen lernen, wie man weniger kauft und die Unternehmen müssen lernen, wie man profitabel beim Verkauf von weniger Produkten arbeiten kann.

… Etwas muss sich grundlegend in der Konsumwelt verschieben, der Einsatz von Rohstoffen muss reduziert werden und somit die Schädigung unseres Planeten Erde“.

 

Quellen und Referenzen

• 1, 17 GulfNews, 13. Juli 2016

• 2, 15 NPR, 6. Februar 2017

• 3 Umweltwissenschaften und Technologie 2011; 45 (21): 9175-9179

• 4, 22 Außerhalb, 20. Juni 2016

• 5, 10, 13, 16 Washington Post, 30. Oktober 2016

• 6 Umweltwissenschaften und Technologie 2015; 49 (22): 13622-13627

• 7 Wissenschaftliche Berichte 2015; 5, Artikelnummer: 14340

• 8 EcoWatch, 30. September 2015

• 9 Marine Pollution Bulletin, 15. November 2014: 88 (1-2): 325-333

• 11 Umweltverschmutzung, Dezember 2015; 219: 201 & ndash; 209

• 12 Umweltwissenschaften und Technologie 2015; 49 (24): 14597-14604

• 14 Mikrofaserverunreinigung und die Bekleidungsindustrie, Projektbefunde

• 18 Marine Pollution Bulletin, 15. November 2016; 112 (1-2): 39-45

• 19 Gizmodo, 28. September 2016

• 20, 21 Fusion, 22. Juni 2016

• 23 Wexco, Filtrol 160

• Der Wächter am 20. Juni 2016

• 25 Umweltschutzperspektiven, September 2007; 115 (9): A449-A454

• 26 Benigne durch Design

• 27 Änderung am 20. Juli 2016

• 28 CBS Nachrichten 27. November 2015

By |2017-12-21T12:33:26+00:00November 30th, 2017|Categories: Allgemein|3 Comments

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3 Comments

  1. Bernd Hofstätter 21. Dezember 2017 at 15:22 - Reply

    Auf einen solchen Zusammenhang wäre ich nie gekommen. Wieso schweigen die Medien darüber. Danke für diesen Artikel.

  2. Brigitte Sommer 23. Januar 2018 at 12:36 - Reply

    In den letzten Tagen wurde in den Medien zwar über das Thema berichtet (evtl. im Zuge der Messe “Grüne Woche”), aber viel schlauer wurde ich daraus nicht. Man wird aufgerufen keine Plastiktragetaschen zu verwenden, Kaffee nur noch aus dem Mehrwegbecher zu trinken, Plastikverpackungen zu vermeiden usw. Das versuche ich zwar umzusetzen, aber oft wird es einem schwer gemacht. Wenn man Bilder sieht von Teppichen aus Mikroplastik die auf dem Meer schwimmen und wie jetzt schon Tiere und Menschen darunter leiden, nur eben noch nicht unmittelbar bei uns in Deutschland, kann das schon Angst machen. Das auch Kleidung ein Problem darstellt bedenkt man gar nicht, aber natürlich….Polyester! Wer schon einmal ein entsprechendes Kleidungsstück zu heiß gebügelt hat, weiß genau warum auch Kleidung ein Problem für unsere Umwelt und damit auch für uns Menschen ist. Ich werde mich weiter bemühen und kann nur hoffen, dass wir in dieser Sache viele Gleichgesinnte finden! Danke, dass sie auf dieses Thema aufmerksam machen!

    • Dr. Rainer Mutschler 10. April 2018 at 9:21 - Reply

      Ja, wenn viele bewußt mit der Umwelt umgehen, können wir in der Summe Schäden begrenzen

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